2017

 

13. Januar 2017: Luthers Ehe und das evangelische Pfarrhaus - Arbeitskreis "Luther", 8. Abend

Ausgangspunkt der Entwicklung, die zur Eheschließung der meisten Reformatoren führte, war Luthers Schrift „De votis monasticis“ (Von den Mönchsgelübden) von 1521. Darin äußerte Luther seine Kritik am Mönchtum: Das Seelenheil sei durch strenge Lebensführung im Kloster und strikte Einhaltung von Gelübden nicht zu erreichen. Dies erreiche der Christ nur durch den Glauben an Christus. Der Glaube aber benötige kein Klosterleben und stehe jedem offen. Diese Schrift löste ab 1522 eine regelrechte Massenflucht aus den Klöstern aus. Unter diesen Flüchtigen war Katharina von Bora, die von ihrer Familie im Alter von 5 Jahren ins Kloster gegeben worden war. Sie floh nach Wittenberg, wo die Frauen im Hause Lucas Cranachs unterkamen. Luther, der eigentlich nicht die Absicht gehabt hatte zu heiraten, beteiligte sich aktiv an der Suche nach geeigneten Ehemännern für diese Frauen, denn Frauen hatten damals, wenn sie nicht in der Familie verblieben, nur die Chance ins Kloster zu gehen oder zu heiraten, wenn sie nicht ins Elend fallen wollten. Katharina von Bora entschied sich für Dr. Luther. Die Hochzeit fand im Geheimen im Juni 1525 statt. Für Luther war es die Erfüllung des Willens Gottes. Käthe entpuppte sich als eine ungemein begabte Wirtschafterin, die den Haushalt mit fast 50 Personen uneingeschränkt in der Hand hatte. Zwischen den Eheleuten entwickelte sich eine innige Beziehung. Sie wohnten weiterhin im Wittenberger Kloster, dem Augusteum, das der Kurfürst ihnen geschenkt hatte. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten. Luther war Professor, aber nie, allenfalls vertretungsweise, Pfarrer gewesen. Dennoch wurde seine engere Familie ein Modell des späteren evangelischen Pfarrhauses, das sich nicht nur durch die Existenz einer Pfarrfrau auszeichnete, sondern vor allem auch durch die elterliche Liebe zu den Kindern geprägt war.

Gemälde von Gustav Adolph Spangenberg (1828-1891): »Luther im Kreise seiner Familie«.

 

13. Januar 2017: Ehrung unseres Kirchenvorstehers Eckard Rechenbach

Am 13. Januar wurde unser langjähriger Kirchenvorsteher Eckard Rechenbach zusammen mit anderen Ehrenamtlichen aus Hannover und Umgebung von Regionspräsident Hauke Jagau für sein öffentliches Engagement geehrt. Wir schließen uns dieser besonderen Würdigung an und danken Herrn Rechenbach für seine Arbeit in unserer Gemeinde, in der seit 1973 die Baufragen zu seinen Aufgaben zählen.

 

27. Januar 2017: Männerkreis Isernhagener Gespräche - Der Niedersächsische Heimatbund

Am 27. Januar fand der erste Abend des Männerkreises aus der Themenreihe für 2017 statt. Herr Prof. Dr. Hansjörg Küster referierte über den „Niedersächsischen Heimatbund in seiner Bedeutung für Niedersachsen.“ Das Thema stieß auf großes Interesse, auch wenn vor allem die natur- und landschaftskundliche Seite der Heimatpflege zur Sprache kam.

Dass der Niedersächsische Heimatbund (NHB) eine eminent wichtige Rolle für das Land Niedersachsen übernommen hat, indem er Jahr für Jahr im Rahmen der Niedersachsentage den Ministerpräsidenten zu Gast hat und diesem die „Rote Mappe“ überreicht, um im Gegenzug die „Weiße Mappe“ entgegenzunehmen, war den Zuhörern durchaus nicht geläufig. Immerhin ist auf dem Wege des regelmäßigen Austauschs der Mappen vieles in Gang gesetzt worden, was sonst im Lande nicht die gebührende Aufmerksamkeit gefunden hätte. Blättert man durch die beiden Mappen, dann wird die ganze Breite der Betätigungsfelder des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB) deutlich und man sieht, dass die Tätigkeit des NHB weit über natur- und landschaftsschutzbezogene Interessen hinausreicht. Auch die Geschichte Niedersachsens, seine Regionen, Städte und Gemeinden sowie die Vermittlung landesgeschichtlichen Wissens an die diversen Schülerjahrgänge unterschiedlicher Schulformen steht im Programm sehr weit oben. Zahlreiche Verbände, Heimat- und Geschichtsvereine sind Mitglieder im NHB. Auch die ländlichen Gemeinden und  städtischen Kommunen sowie die Landschaftsverbände sind hier inkorporiert. Es gehört zum guten Herkommen auf allen Niedersachsentagen, die in aller Regel an einem Wochenende stattfinden, dass auch die Ortskirche mit allen in der Region tätigen Religionsgemeinschaften zu einem gemeinsamen Gottesdienst an dem jeweiligen Sonntag einlädt.

Dennoch war das Diskussionsinteresse vor allem dem Begriff der „Heimat“ gewidmet. Und was vielleicht niemand erwartet hätte, es kam zu kontroversen Positionen in der Debatte über diesen Begriff, die über das Ende der Veranstaltung hinaus fortgesetzt wurde. Schon dies zeigt, dass es ein hochinteressanter und lebendiger Abend war. 

 

 

3. Februar 2017: Kinoabende für Groß und Klein

  

Eine schöne Tradition setzt sich fort. Seit 2011 führt der Verein zur Förderung des kirchlich-kulturellen Lebens in Isernhagen-Süd e. V. für die Kinder unserer Kirchengemeinde einen Kinoabend durch. Im Februar und November, wo es draußen noch sehr dunkel ist, kommen mittlerweile bis zu 50 Kinder ins Gemeindehaus, um dieses besondere Ereignis mitzuerleben. Mit Popcorn, Gummibärchen, Salzgebäck und Getränken wird der Kinoabend abgerundet. Schon im Hinausgehen wird oft gefragt, wann der nächste Kinoabend stattfindet. Das ist da

s beste Feedback, das wir erhalten können. In diesem Jahr wurde am 03.02.2017 um 17:00 Uhr wieder ein schöner Kinderfilm gezeigt, der sogar uns Erwachsene zum Diskutieren angeregt hat. 

 Da wir aber nicht nur die Kleinen zum Kinoabend einladen wollen, gab es im direkten Anschluss an die Kindervorstellung um 19:30 Uhr eine Vorführung für die Erwachsenen. Erfreulicherweise sind unserem Aufruf einige Kinogänger gefolgt. Auch hier waren Popcorn, Knabbereien und Getränke sehr willkommen. Den anschließend kleinen Kommentaren war zu entnehmen, dass der Abend gefallen hat und fortgesetzt werden kann.

Unser nächster Kinoabend für die Kinder wird am 03.11.2017 von 17:00 bis ca. 19:00 Uhr stattfinden. Danach sind die Erwachsenen herzlichst eingeladen, ab 19:30 Uhr einen Film zu sehen.

                                                                                                                                            Petra Leinpinsel

 

 

5. Februar 2017: Barockkonzert in der Philippuskirche

Dies war ein Konzert besonderer Art, denn alle Musizierenden waren bis auf zwei Ausnahmen (Kontrabass und 1. Geigerin) Laien aus unserer Gemeinde und näheren Umgebung (Leitung: Dr. Michael Sodt). Ich muss schon sagen: Alle Achtung! Die Künstler und Künstlerinnen hatten ihre Ziele hochgesteckt und hervorragend gemeistert. Ich habe dieses Konzert sehr genossen.

Den Antonio Vivaldi (1678-1741), Op. 47/2 für zwei Flöten und Kammerorchester, spielten sie in den drei Sätzen spritzig, innig und mit Schwung.

C. Graupner (1683-1760), Concerto d-moll, war ein etwas anderer Stil, aber doch sehr 

ansprechend und gut empfunden und vorgetragen.

Im 4. Brandenburgischen Konzert von Joh. Seb. Bach (1685-1750) erfreute die 1. Geigerin Frau Sinje Bode durch ihre großartige Leistung und Einfühlsamkeit.

Alessandro Marcello (1686-1760) wurde souverän und gekonnt bestimmt von Marie Leinpinsel mit ihrer Oboe. Bei Vivaldi spielte sie Flöte. Dieses Stück mit Orchester wurde mit viel Gefühl und Esprit vorgetragen.

Joh. Seb. Bach (1685-1750) – das bekannte und sehr beliebte 5. Brandenburgische Konzert wurde besonders gut angenommen. Querflöte, Geige und Orchester ergänzten sich in großer Harmonie. Die lange Kadenz im 1. Satz, von Michael Sodt meisterhaft gespielt, hätte einen besonderen Applaus verdient. Der 2. Satz (Querflöte, Geige, Cembalo) wurde sehr innig vorgetragen. Und der letzte Satz „Allegro“ wurde mit einer Leichtigkeit gespielt, die allen Freude und Genuss bereitete.

Die Zuhörer dankten mit großem Applaus, und wir alle hoffen, dass es eine Fortsetzung gibt, dieses Ensemble zu hören.
Herzlichen Dank an alle Musiker.

                                                                                                                                                      Hannelore Bader

 

Marie Leinpinsel schreibt über „Alte Klänge in der St. Philippus-Gemeinde“:

 

Am Abend des 5. Februars 2017 wurde von einer kleinen Gruppe von acht Musikern zu alten Klängen des Barocks geladen. Nach anfänglich nur drei Musikern fanden sich mit der Zeit zufällig weitere Musikbegeisterte, wodurch eine kleine Kammermusikbesetzung zustande kam mit Cembalo, Kontrabass, Cello, Viola, zwei Geigen, zwei Flöten beziehungsweise einer Oboe. Gemeinsam wurde ein abwechslungsreiches Programm erarbeitet und geplant.

Eröffnet wurde das gewaltige Programm mit Vivaldis Konzert für zwei Flöten. Schon die ersten Töne zogen das Publikum in den Bann. Nach einem kräftigen Applaus folgte ein Konzert für Viola und Flöte von Christoph Graupner, das etwas neuer wirkende Klänge mit sich brachte. Abgeschlossen wurde die erste Hälfte vom 4. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach für zwei Flöten und Geige.

Danach wurden die Gäste zu kleinen Köstlichkeiten in das Gemeindehaus zu einer entspannten Pause eingeladen, in der sich viel über die tolle Atmosphäre ausgetauscht wurde.

Der zweite Programmteil wurde mit Alessandro Marcellos sehr bekanntem wunderschönen Oboenkonzert d-Moll eröffnet. Das Publikum war erneut begeistert. Das fulminante Finale des Barockkonzerts bildete das 5. Brandenburgische Konzert von Bach für Flöte und Geige mit einer sensationellen Kadenz des Cembalos im ersten Satz. 

Nach diesem schönen Abend wünschen sich nun viele der Besucher eine Fortsetzung dieses großen Barockkonzerts und vielleicht sogar einen offiziellen Namen des Ensembles.

 

Foto: Wolfgang Beermann

 

 

10. Februar 2017: Luthers Apfelbäumchen – Kirchenordnung in der Endzeit - Arbeitskreis "Luther", neunter Abend

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich doch heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieser Satz wurde Luther in den Mund gelegt, trifft sein Denken jedoch erstaunlich gut. Luther wollte Tendenzen entgegentreten, dass angesichts des nahen Endes alles Arbeiten für den Erhalt der Welt ohnehin obsolet sei. Viele folgten den von Luther so genannten Schwarmgeistern, die das Zeitalter des reinen Geistes heraufziehen sahen wie Thomas Müntzer oder die Täufer von 

Münster. Wieder andere wie Andreas Karlstadt zerstörten mit Hämmern und Äxten die Heiligenbilder in den Kirchen. Es galt also, Chaos und Zerstörung vorzubeugen und umgehend ein geordnetes Kirchenwesen aufzubauen. In einer guten Ordnung sah Luther den besten Schutz gegen die Nachstellungen des Antichrist, der lt. Bibel in den letzten Zeiten vor dem Ende sein Unwesen treibe. Da diese Ordnung sofort greifen musste, ging Luther auf diejenigen Kräfte zu, die schon längst dabei waren, das Kirchenwesen in ihren Territorien immer mehr in die eigene Hand zu nehmen: die Fürsten und Städte.

Mit der Reformation erfuhr das landesherrliche Kirchenregiment seine Vollendung (Es endete erst nach dem Ersten Weltkrieg). Nun konnten die evangelischen Fürsten in ihren Territorien eigene Kirchen- und Gottesdienstordnungen einführen. Luther selbst schrieb 1526 die Deutsche Messe gleichsam als Muster. Aber auch die materielle Seite des Kirchenwesens musste neu geordnet werden. Als Muster dafür schrieb Luther die mit der Stadt Leisnig bei 

Leipzig ausgehandelte „Kastenordnung“. Sie bedeutete letztlich den Beginn eines geordneten Sozialwesens in Deutschland. Vor allem aber schickte Luther einige Mitarbeiter, vor allem Melanchthon und Bugenhagen, aus, um die Gemeinden aktiv zu visitieren und neu zu ordnen. Besonders erfolgreich war Johannes Bugenhagen in den norddeutschen und skandinavischen Ländern. Mit Melanchthon stand Luther eine Mann zur Seite, der hervorragend geeignet war, in diplomatisch geschickter Weise die Grundlehren des reformatorischen Glaubens gegenüber Kaiser und Reich zu vertreten. Er tat dies mit der Abfassung der Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis), die dann 1530 auf dem Augsburger Reichstag vor dem Kaiser verlesen wurde. 

 

 

19. Februar 2017: "Einen Fremden sollst Du nicht bedrängen" - Aus dem Leben eines jüdischen Emigranten 

 

Geladen war zu einem besonderen Konzert-Abend mit dem russisch-jüdischen Komponisten Sergej Kolmanovskj, der eigene Kompositionen vortrug. Leittexte waren Auszüge aus den Psalmen Davids.

 Wenn ein Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, den sollt ihr nicht schinden. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst. (nach dem Dritten Buch Mose, 19,33 f.)

 

Beeindruckt von den vorgetragenen Texten und Kompositionen schreibt Hannelore Bader:

Das nachdenkliche Konzert begann mit einer Kantate, komponiert von Sergei Kolmanovski, die der Sängerin Alisa Kravzova (Sopran) stimmlich viel abverlangte, was sie aber souverän meisterte. Zitate aus dem Psalm Davids und eigene Texte gaben den Kompositionen ein interessantes Flair. Die etwas eigenwillige Musik passte sich den Worten und Rezitationen, gelesen von Peter Japtok im Wechsel mit dem Gesang, sehr gut an und gefiel mir gut.

 Dann folgten zwei jüdische Märchen „Warum der Rabe hüpft“ und „Der betrogene Betrüger“ mit Klavieruntermalung, welches schmunzelnd und begeistert aufgenommen wurde.

 Danach zehn Lieder nach Schwitters-Texten – Klavier: Kolmanovski, Tenor: Edgar Schäfer - , die mit Mimik und Humor vorgetragen und mit großem Applaus bedacht wurden. „Keine Rose ohne Dorn“, „Ich sing ein Lied“, „Da sprach der Herr“, „Doppel-Moppel“, „Perhaps-when?“, „Kleine süße Puppe“, „Vier Maurer“, „Onkel Heinrich“ (sehr witzig), „Zusammen beim Kaffee“, „Verzeihet liebe Leute“ – die Kompositionen harmonierten wundervoll mit den Texten.

 Zum Abschluss sang Alisa Kravzova ein „Gebet einer ukrainischen Mutter“, welches sehr anrührend und innig herüber kam.

Die leider nicht sehr zahlreichen Zuhörer bedankten sich mit großem Applaus für dieses doch so nachdenkliche Konzert. Herzlichen Dank dem Komponisten, den Sängern und dem Rezitator. 

 

23. Februar 2017: Mitarbeiterempfang

In jedem Jahr lädt die Gemeinde ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zu einem geselligen Abend ein, um sich auf diese Weise für die geleistete Arbeit – sie sei groß oder klein – dankbar zu zeigen. In jedem Jahr gibt es bei dieser Gelegenheit ein Unterhaltungsprogramm, für das wir entweder Gäste einladen, oder aber eigene Leute aus der Gemeinde auftreten lassen. In diesem Jahr boten Graf und Gräfin Arnim ihre Unterhaltungskünste dar. Zunächst trat Gräfin Arnim als Märchenerzählerin auf. Die von ihr vollendet erzählten Märchen waren für fast alle völlig neu. Es ging in diesen Märchen um Prinzen, Hexen und junge Frauen, deren Beziehungen im Märchen neue und tiefe Einsichten in grundlegende Verhältnisse des Zwischenmenschlichen öffneten. Nach einem reichhaltigen Essen hatten die gut gelaunten Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei diesem Treffen Gelegenheit, einem amüsanten Sketch von Gräfin und Graf Arnim zu folgen, in dem es vorwiegend um Sprachwitz und Verwechslungskomik ging.

Es war ein sehr unterhaltsamer Abend, der viel Gelegenheit zu Gesprächen bot und den viele Gäste nur ungern verließen. 

 

 

24. Februar 2017: Mänerkreis Isernhagener Gespräche - Flucht und Vertreibung

Am 24. Februar referierte der Landesvorsitzende  des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Prof. Rolf Wernstedt, im voll besetzten Gemeindesaal von St. Philippus über das Thema „Vertrieben, geflohen – angekommen?“ Rolf Wernstedt hatte im Jahr zuvor gemeinsam mit Manfred Quentmeier und Martin Stupperich einen Vortragsband unter dem gleichen Titel im Wochenschau Verlag veröffentlicht. In seinem Vortrag bei uns stellte er das Thema zunächst aus der historischen Perspektive dar: An die 14 Millionen Flüchtlinge seien in den ersten Nachkriegsjahren in Deutschland angekommen und hätten integriert werden müssen. Obwohl sie in der Regel dieselbe Sprache sprachen und der gleichen Religion angehört hätten, so Wernstedt, sei es immer wieder zu teilweise heftiger Ablehnung der Flüchtlinge in der Bevölkerung gekommen. Allerdings sei die eingesessene Bevölkerung anfänglich auch genötigt worden, ihre  eigenen Häuser und Wohnungen für die Vertriebenen und Flüchtlinge zu öffnen und auf engerem Raum zusammenzurücken.

 

Heute sei die Lage ganz anders, und auch wenn die Zahl der Flüchtlinge des Jahres 2015 mit gut 1 Million im Jahr 2015 weit unter den damaligen Zahlen liegt, auf ihre Weise sehr schwierig. Da heute weltweit insgesamt 60 Millionen Menschen auf der Flucht seien, erfordere das politische Konzept andere Mittel als lediglich immer verlässlichere Abschottungsmethoden. Grundsätzlich sei Europa in diese Krise weitgehend unvorbereitet hineingegangen, nachdem es die sich deutlich abzeichnenden Probleme bis dahin weitgehend ignoriert habe. Dies gelte für Deutschland in besonderer Weise. Es räche sich jetzt, dass jahrelang ein Einwanderungsgesetz verschleppt worden sei. Durch ein solches Gesetz werde man Möglichkeiten haben, diejenigen, die unter uns leben und für uns arbeiten wollten, gezielt nach ihren Fähigkeiten auszuwählen. Diejenigen aber, die nach den Kriterien des Gesetzes kein Aufenthaltsrecht bekommen könnten, müssten von Anfang an klare Auskünfte erhalten, dass für sie eine Einwanderung nicht in Frage kommen könne.

Die Diskussion, die sich an diesen Vortrag anschloss, war sehr lebhaft. 

 

 

28. Februar 2017: Eine literarische Reise durch Niedersachsen – mit Dr. Heiko Postma. 1. Abend

Dieses Thema oder auch die geniale Person des Heiko Postma haben etliche LiteraturLiebhaber in den Gemeindesaal gelockt und so konnten zu den 50 aufgestellten Stühlen noch einige hinzugefügt werden.

Es war aber auch eine spannende „Geschichte“, die Heiko Postma uns präsentierte. Er startete seine literarische Wanderung durch Niedersachen in der Landeshauptstadt Hannover und widmete dieser den ersten Abend seiner drei Vorträge.

Auf brillante und dabei gleichzeitig nordisch kühle, distanzierte Art, die weniger zum Lachen dafür aber zu ständigem Schmunzeln anregte, führte uns Heiko Postma durch die Literaturgeschichte. Wer hatte nicht alles Hannover besucht in den vergangenen Zeiten! Und fast jeder hat sich geäußert, mal mehr mal weniger kritisch. Das Erstaunliche: manche der früheren Bemerkungen scheinen bis in die Gegenwart an zu dauern ... haben wir nicht auch heute noch mit der SAUBERKEIT zu kämpfen? Oder dem Vorurteil: NIX LOS IN HANNOVER! (G. W. Leibniz)?

Auch das Wetter, das schon früher als NASS und KALT beschrieben wurde (H. C. Andersen und H. Heine) hat sich nicht wesentlich geändert. Dagegen wird seit 1833 Hannover als Stätte der Kunst(Kenner) gerühmt. Anders  die Beziehung zur Infrastruktur, speziell zum Straßenzustand; diesen hatte bereits Herman Löns um 1900 zu beklagen, als er von „aufgerissenen Straßen“ sprach.

Ein älterer „Fund“ betrifft Anton Corvinus (1501-53), der Hannover und Umgebung 1542 lutherisiert hat und dafür drei Jahre lang in der Feste Calenberg eingekerkert wurde.

So reihte sich Name an Name und wir sind verblüfft, wer sich alles, wenn auch nur temporär in unserer Stadt aufgehalten und geäußert hat: Ludwig Börne, Jeremias Gotthelf, Hoffmann von Fallersleben, Wilhelm Busch natürlich, Karl Marx, Theodor Fontane und Mark Twain – um die Bekannteren zu nennen. Aber auch Jerome K. Jerome auf seiner Fahrradtour durch Deutschland um 1900 und Otto Erich Hartleben, der als Waise in Hannover aufwuchs (1879). Und so erfuhr man Bekanntes z.B. von Theodor Lessing, der über den Prozess gegen den Serienmörder Fritz Hamann Aufmerksamkeit (1925) erregte oder weniger Aufregendes von Karl Jakob Hirsch, der in seinem ersten Roman „Kaiserwetter“ (1926) auf brillante Art und Weise die Atmosphäre des späten Kaiserreiches in einer Provinzstadt schildert.

Samuel Beckett hat auf seiner Reise (1938) durch Deutschland auch Hannover und die Kunstszene besucht; Kurt Schwitters, der gebürtige Hannoveraner, hat von hier aus um 1920 unter dem Kennwort: MERZ sein „dadaistisches Gesamtweltbild“ entwickelt.

Und so landeten wir langsam in der heutigen Zeit und konnten mit Harry Rowohlt resümieren: Hannover ist das beste aller möglichen Hannover ...

                                                                      Christiane Mendel

 

März 2017: Ausstellung - Kleine Künstler aus unserm Kindergarten malen nach Cranach dem Älteren 

 

Wie in jedem Jahr beschäftigten sich die Vorschulkinder der Kita St. Philippus mit einem Künstler oder Kunstmaler. 

Da wir uns gerade im Lutherjahr befinden, lag es nahe, sich mit einem Künstler zu befassen, der zu den besten Freunden von Martin Luther gehörte. Das war natürlich Lucas Cranach. 

Die Kinder erfuhren etwas aus dem Leben von Lucas Cranach und sahen
sich einige Bilder des Künstlers an. Wir zeigten den Kindern Porträts von seiner Frau Barbara, seinen Eltern, Martin Luther und einigen anderen Menschen, die Cranach gemalt hat. 

Natürlich sollte die Praxis nicht zu kurz kommen. Auch die Kinder durften jetzt Porträts malen. Als erstes malten sie zur Übung in den vorgefertigten Umriss eines Kopfes mit ihren Buntstiften ein Gesicht. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Beim nächsten Treffen wurde dann mit Tusche auf richtigem Künstlerpapier gemalt. 

In Kleingruppen, mit ruhiger Musik im Hintergrund, arbeiteten die Kinder konzentriert an ihren Bildern. 

Die tollen Werke der Kinder waren einige Wochen lang in einer Ausstellung im Kirchenvorraum der St. Philippus Kirche zu bewundern.

                                                                                               Christiane Genz 

   

5. März 2017: 10. Jugendkonzert in St. Philippus

 

Das 10. Jugendkonzert in St. Philippus fand vor einem großen Publikum statt, das auch bereit war, die Musik in St. Philippus finanziell mit einer großzügigen Spende zu unterstützen! Vielen Dank! Für die kleinen und großen Virtuosen stand als abschließende Erfrischung Eis bereit.

 

Frau Hannelore Bader war unter den Zuhörern; sie schreibt:

Dieses Mal waren 26 Kinder und Jugendliche dabei, von 7-16 Jahren. Es ist wunderbar zu hören und zu sehen, dass viel Musik gemacht wird in unserer Gemeinde. Die Kleinsten absolvieren ihr Stück voller Aufregung, um dann schnell wieder auf ihren Platz zu huschen. Aber es ist wichtig, dass sie auftreten, denn es verleiht ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen. Auch ist es schön zu hören, wie sie sich gesteigert haben, so sie im letzten Jahr dabei waren. Beginnen wir mit den Anfängern. Es ist erstaunlich, was sie uns bei teils wenigen Jahren Unterricht schon bieten konnten. Alle Achtung! Die Jahre des Alters und des Unterrichts steigerten sich, so dass jedes Mal für alle großer Applaus sie belohnte. Sehr gut gefielen mir das Schlagzeug, die Posaune und die Oboe/Querflöte, was schon Profi-Charakter hatte.

Weiter so und nicht nachlassen! Es muss nicht jeder ein Profi werden, aber jede Begegnung mit und durch die Musik wird Euer ganzes Leben begleiten und bereichern.

Großer Dank gebührt Frau Dr. Marie-Christine Barckhausen, die jedes Jahr diese Veranstaltung mit viel Freude und Können vorbereitet. Dank auch an Yvonne Nickel und Dr. Michael Sodt, die einfühlsam die jungen Künstler begleiteten. Ich freue mich schon auf das nächste Konzert.

 

 

 

 10. März 2017: Luthers Bibelübersetzung - Arbeitskreis "Luther", 10. Abend

 

Am 10. März tagte der Lutherkreis zum zehnten Mal; Thema war die Bibelübersetzung Luthers. Es begann mit dem „Septembertestament“, der Übersetzung des Neuen Testaments durch Martin Luther auf der Wartburg, die nach ihrem Erscheinungsmonat im Jahr 1522 benannt wurde. Das Referat erstreckte sich aber auch auf die Bibelausgaben, die dieser Bibelübersetzung zugrunde lagen bzw. die es schon vor Luther als Übersetzungen in verschiedene Sprachen gab. Es war in erster Linie die griechische Ausgabe des Neuen Testaments, die von Erasmus von Rotterdam ediert wurde. Auch andere wichtige Bibelübersetzungen wurden vorgestellt, so die lateinische „Vulgata“ und die griechische Übersetzung der hebräischen und aramäischen Bibel, die sog.Septuaginta aus den Jahren 200 v. Chr. bis 100 n. Chr. Auch die erste mit beweglichen Buchstaben gedruckte Gutenbergbibel von 1454, Weltdokumentenerbe seit 2001, wurde gezeigt. Melanchthon hatte Luther nur deshalb zu einer neuen Übersetzung der ganzen Bibel gedrängt, weil unterschiedlichste Übersetzungen der Bibel in Europa in Umlauf waren. Ihre vollständig übersetzte Heilige Schrift erschien schließlich im Jahr 1534, illustriert durch Bilder von Lukas Cranach. Luther war als Übersetzer gemeinsam mit seinen Mitarbeitern sprachschöpferisch tätig. Zahlreiche Wörter, die wir noch heute benutzen, gehen auf ihn zurück, so z.B. friedfertig, Feuereifer, Ehescheidung, Machtwort, Lästermaul. Zu seinen Neuschöpfungen gehören auch zahlreiche Sprichwörter und Redensarten wie etwa „Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“.„Ich hab mich des beflissen im Dolmetschen, daß ich rein und klar Deutsch geben möchte. Und ist uns sehr oft begegnet, daß wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben’s dennoch zuweilen nicht gefunden“, so schreibtLuther in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“. Entscheidend für Luther war, dass alle Menschen die Bibel als Grundlage des Glaubens selbst lesen, verstehen und sich innerlich aneignen konnten. Er beförderte deshalb auch die Entwicklung von Schulen.

Da jetzt jeder Christ die Bibel lesen sollte, verbreitete sich die Lutherbibel in alle Gegenden Deutschlands und führte dazu, dass sich aus ihrer Sprache die einheitliche neuhochdeutsche Schriftsprache entwickelte. Eine längere Diskussion um die Entstehungsbedingungen des biblischen Kanons geschloss den Abend.

 

24. März 2017 Männerkreis Isernhagener Gespräche: Luthers Lehre von der Kirche

Am 24. März referierte Superintendent i.R. Rudolf Rengstorf im Männerkreis über das Thema „Das Priestertum aller Gläubigen – Luthers Lehre von der Kirche“. Er hatte zuvor ein Thesenblatt verteilt und jede der acht Thesen mit einem Lutherzitat unterlegt. So heißt es in der ersten These, dass Kirche sich dem Wirken Gottes verdanke (theonomisches Prinzip) und im gemeinsam gelebten Glauben der Gemeinde Gestalt annehme (Gemeindprinzip). Ihre Aufgabe ist nach Luther die Predigt des reinen Gotteswortes. „Wo das fehlet, so ists nicht mehr die Kirche, sondern des Teufels Schule.“ Es überrascht, dass Luther das „extra ecclesiam nulla salus“ (außerhalb der Kirche gibt es kein Heil) der altgläubigen Kirche nahe zu nachspricht, wenn er sagt: “Darum, wer Christus finden soll, der muss die Kirche am ersten finden.“ Allerdings, und hier liegt der Unterschied zur katholischen Kirche, benötigt der Christ keinen geistlichen Vermittler, denn er hat kraft seiner Taufe ein unmittelbares Verhältnis zu Gott. Darauf beruht das Priestertum aller Gläubigen. „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon zum  Priester, Bischof  und Papst geweihet sei“ (An den christlichen Adel, 1520).

Luther meint damit den Gottesdienst im Alltag der Welt. Jeder Christ sei dazu berufen, in seinen weltlichen Aufgaben seine Priesterschaft wahrzunehmen. Einer kirchlichen Hierarchie bedürfe es letztlich nicht, denn jeder sei dem anderen zu Dienst verpflichtet. Auch die heutigen Bischöfe seien Diener, nicht Herrscher. Es gebe aber das Amt der öffentlichen Verkündigung und Sakramentsverwaltung. Aber auch dies, so Luther, basiere auf dem Priestertum aller Gläubigen. Der Prediger sei keineswegs ein Mensch besonderer Art, dem durch eine besondere Weihe ein neuer Charakter zugewachsen sei, sondern ihm sei das Amt als dem offensichtlich geeignetsten durch die Wahl der Gemeinde zugewachsen.

Es schloss sich an diesen Vortrag eine außerordentliche lebhafte Diskussion an.

 

 

26. März 2017: Repertoire-Konzert der St. Philippus-Kantorei

 

„Singen macht Spaß, Singen tut gut.“ Davon konnten sich die Zuhörer am Sonntag Nachmittag überzeugen. Die Sängerinnen und Sänger, unter der Leitung von Yvonne Nickel, boten ein abwechslungsreiches Konzert mit 12 Lied-Beiträgen verschiedenster Art. Mit „Aller Augen warten auf dich, Herre“ (Schütz) wurde man festlich eingestimmt, eindringlich mit klaren Sopranstimmen anfangend füllte der Gesang von der Empore her den Kirchenraum.

Nach der Begrüßung durch die Pastorin erklang das „Cantate Domino“ von Buxtehude, gefolgt von Crassinis „Kyrie“. Trotz kleiner Schwierigkeiten bei den verschiedenen Stimmeinsätzen erfreute der Chor mit seinem Wohlklang. Beeindruckend dann der Gesang des „Alta Trinita Beata“ (Italien, 15. Jh.); es erklang während des Weges der Sängerinnen und Sänger durch die Kirche zum Altarraum. Das Orgelspiel von Harald Othmer „Da Jesus bei dem Kreuze stund“ (S. Scheidt) vertiefte die Feierlichkeit der Passionsandacht.

Von jetzt an konnte man den Sängerinnen und Sängern mit Freunde zusehen und das folgende Mitsingen bot sich an.

Mit Buxtehudes „Toccata, F-Dur“ leitete der Organist den 3. Teil des Konzertes ein; es erklangen Beiträge zum Lobe des Herrn, in schönen Lied-Kompositionen. Die musikalischen kleinen Schwächen hier und da vergaß man schnell. Zumal die letzten heiteren Beiträge, rhythmisch unterstützt durch das Conga-Spiel der Dirigentin, das Konzert schwungvoll ausklingen ließen. Sie bestätigten nochmals, sehr überzeugend: Singen macht Spaß.

Die Leistung des Chores und seiner Dirigentin ist zu bewundern! Er besteht seit den Fünfziger Jahren, also länger als unsere Kirche steht. Und es finden sich immer wieder Menschen, die sich allwöchentlich gerne zu den Proben einfinden, um z. B. ein solches Konzert vorzubereiten. Denn Singen macht Spaß! Und man ist froh, dieser Gemeinschaft anzugehören. Kommen Sie, machen Sie mit! Sie werden es nicht bereuen! 

                                                                                       Johanna Schliephake

 

 

27. März 2017: Seniorenfahrt 

Am 27. März 2017 machte der Seniorenkreis von St. Philippus wieder eine Stadtteilrundfahrt in Begleitung von Frau Eckhardt, unserer sehr sachkundigen Führerin (Abb.).

 

Vorbei am Pferdeturm, der Stadthalle und dem Emmichplatz mit der Musikhochschule ging es in die List. In der Bödekerstraße sind fast alle Häuser vom Krieg verschont. Wir sahen die großen Mehrfamilienhäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Frau Eckhardt  wies uns auf die vielen schmalen Balkone hin, auf denen man nur stehen kann. Sie sind nach dem Vorbild der französischen Balkone gebaut, die Napoleon bauen ließ,  damit die Bürger den Militärparaden zusehen und zuwinken konnten.  Vom Lister Platz an, in der Ferdinand-Wallbrecht-Straße, bewunderten wir den Jugendstil der imposanten Häuser (Art Nouveau). Später hatte man nicht mehr so viel Geld. Es wurden hinter dem Moltkeplatz einfachere Genossenschaftsbauten errichtet

Der Niedersachsenring, der wegen einer Demonstration der Bürger gegen diese Straßenplanung nur ein Bogen wurde, brachte uns in das "Dorf vor dem Wald", nach Vahrenwald. Im großen Kolonnenweg (so genannt nach den königlich-preußischen Truppen, die zum Exerzieren in die Heide zogen) wurde 1907 die Kaiserbrücke gebaut und rechts und links je zwei hohe Steinsäulen, Pilonen. Richtung Norden schließt sich die Vahrenheide an. Auf holprigem Pflaster fuhren wir über den alten Flughafen, der bis 1945 genutzt wurde. Hier gelang Karl Jatho 1903 der erste Motorflug der Welt! Er flog 0,75 m hoch und 18 m weit.

Wir kamen am alten Wasserturm mit den 2 m dicken Wänden vorbei, dann in Langenhagen am Industriegelände der ehemaligen Polygram, das heute nicht mehr gebraucht wird. Dann passierten wir das alte Dorf (Am Gehäge), wo sich unter anderem die Nervenheilanstalt befindet. In seiner ersten Zeit als Arzt arbeitete hier Robert Koch, der Entdecker der Tuberkulosebakterien und des Choleraerregers.

Dann sind wir auf dem sehr großen Parkplatz der neuen Pferderennbahn, der neuen Bult (auch Flohmarktplatz). Gegenüber auf der anderen Seite der Theodor-Heuss-Straße wird sehr aufwendig ein neues Schwimmbad gebaut.

Es geht zum Pferdemarkt. Hier kreuzt die "Hasenbahn", die Bahnstrecke nach Celle, deren Bau lange unterbrochen war. Auf dieser Bahn zwischen Langenhagen und Großburgwedel wurde der von Franz Kruckenberg in Hannover gebaute Schienenzeppelin getestet. Es war ein Flugbahnwagen, der hinten mit einem Propeller angetrieben wurde. An anderer Stelle erreichte Kruckenberg damit die Geschwindigkeit von 230,2 km/h. Er stellte damit einen Geschwindigkeitsrekord auf, der 24 Jahre Bestand hatte! Das Projekt kam über das Versuchsstadium nicht hinaus.

Frau Eckhardt berichtete von den Schnatgängern in Langenhagen, die alljährlich die Grenzen ablaufen und verkünden: "Dat is all use, un dat bliewt alens use!" Langenhagen ist und bleibt selbstständig.

Jetzt kam noch die Besichtigung des Flughafens mit einer Flut von Informationen über die flächenmäßige Größe, die 

tatsächliche und die gewünschte Zahl der Passagiere pro Monat oder Jahr, die technisch sehr moderne Ausstattung, die große Bedeutung des Geschäftes mit der Fracht und die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen, die immer strenger werden. Wir fuhren auch ins Untergeschoß zur S-Bahn.

Endlich wieder im Bus. Alle wieder da, keiner fehlte. Nur die Küchlein und Kekse, die es zu unserem Becher Kaffee im Bus geben sollte, die standen einsam an der Bank bei der Philippuskirche. Sehr enttäuschend, da ein Imbiß angekündigt worden war! Gut, dass unser netter Busfahrer Thomas einen wohltuenden  Kaffee und Kaltgetränke verteilte, und dass wir noch eine sonnige Rückfahrt hatten, vorbei an den Logistikfirmen des Flughafens und durch das Gewerbegebiet von Godshorn. 

Fotos: Hasso von Samson

Ein großer Dank geht an Frau Eckhardt, die uns wieder mit so vielen wissenswerten Erläuterungen durch die benachbarten Stadtteile geführt hat!

 Monika Schneider

 

 

28. März 2017: Eine literarische Reise durch Niedersachsen – mit Dr. Heiko Postma, Teil II

 

Der Gemeindesaal von St. Philippus wird bei der nächsten solchen Reise zu klein sein, um die Menschen zu fassen, die Dr. Heiko Postma hören und sehen wollen. Der Saal war voll besetzt, weil viele von der ersten Reise gehört hatten, die am 28. Februar stattgefunden hatte.

Dr. Postma, halb vollbärtig und von eindrucksvoller Statur und Stimme, nahm uns mit auf eine Reise „mit Begleitern“, die natürlich literarisch waren.

Auf Borkum begann die Reise mit Wilhelm Busch und führte von dort zum oldenburgschen Grünkohl und danach auf die Elbe mit Bertold Hinrich Brockes (1680-1747) und ausgesprochen dramatisch vorgetragenen Segelabenteuern auf der Elbe, eine Fahrt, die nach Stade führte, wo Georg Christoph Lichtenberg 1773 eine „definitorische geometrische Ortsbestimmung“ durchführte. Von dort ging es mit Hans-Christian Andersen 1831 „per Postkutsche durch die Heide“ über Winsen, Lüneburg, Uelzen, Gifhorn nach Braunschweig, wo Wilhelm Raabe die Schönheit der Stadt in  höchsten Tönen beschrieb. Natürlich konnte Heinrich Heines „Harzreise“ nicht fehlen mit einer kritischen Beschreibung Goslars, aber der liebevollen Erinnerung an eine junge Frau, der er zum Entsetzen der dabei Zusehenden eine Blume aus dem Fenster entwendet hatte. Die Bierstadt Einbeck war das nächste Ziel, ein „mittelalterliches München“, dessen Bier nicht nur in München, sondern auch in vielen anderen Städten verkauft wird und sogar 1521 Martin Luther zur Stärkung angeboten wurde. Schließlich: Hannover, vom Freiherrn von Knigge voll Begeisterung als moderne Stadt beschrieben mit einem berühmten Schützenfest, für das Herman Löns als Fritz von der Leine „richtungweisende“ Ratschläge gegeben hat. Nachdem Letzterer kurze Zeit als Chefredakteur bei der Schaumburg-Lippischen Zeitung in Bückeburg gewesen war, schied er aus mit einer scharf geschliffenen Satire („Duodez“), in der er seinen bissigen Spott über die kleine Residenz ausgoss. Als Kontrapunkt zu Löns kam nun der Expressionist Arno Schmidt dran, der in Bargfeld bei Celle wohnte und Bekanntheit erlangte durch „Zettels Traum“. Und dann zurück zu Goethe 1801 in Bad Pyrmont, wo dieser 1804 den „Rattenfänger von Hameln“ umdichtete. Überhaupt, das Weserbergland! Der Schweizer Albert Bitzius, der unter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf schrieb, schilderte die Weserdörfer 1821 kritisch vom Kahn aus. Zurück in Osnabrück mit der Erinnerung von Lichtenberg 1772 an Mädchen, Pumpernickel und Schinken ging es zur Endstation Papenburg.

Es war eine geist- und humorvolle Reise, ein rechter Angriff auf die Zwerchfelle der Zuhörer, die mit Sicherheit in noch größerer Zahl am 25. April bei der letzten Station der „literarischen Reise durch Niedersachsen“ dabeisein werden.

                                                                                               Hasso von Samson

 

2. April 2017: „Kleine Schubertiade“ – Konzert in der Philippuskirche

 

Am 2. April  2017 bot uns das Gesangsstudio Sophie-Charlotte Beese eine „Kleine Schubertiade“ an - Lieder von Franz Schubert (1797-1828), die von zwei Sängerinnen und einem Sänger vorgetragen wurden. Zwischen den einzelnen Blöcken las uns Johanna Schliephake in gekonnter und eindrucksvoller Art aus Schuberts Leben und auch einige Anekdoten vor. Es war ein gelungener Frühlingsnachmittag.

 

Die Pianistin Claudia Rinaldi begleitete die Sänger einfühlsam und spielte brillant ihre Solostücke, Schuberts Inpromptu Ges-Dur D 899 und Drei kleine Klavierstücke D 946, Nr. 1 – Allegro assai. Es war ein Genuss ihr zuzuhören.

Malena Böse begann mit „An die Musik“, ein Lied, welches eine Hommage an diese hohe Kunst ist. In den Höhen sollte man sich ein wenig zurücknehmen, aber es war gut gesungen. Marianne Rabach sang mit schöner weicher Stimme „Frühlingslied“, „Gondelfahrer“ und „Naturgenuss“. Jonathan Wallis hat eine schöne volle Baritonstimme, die er mit guter Aussprache in „Drei Wanderer“, „Der Zwerg“ und „Liebesend“ einsetzte. Beim „Erlkönig“ bekam ich eine Gänsehaut, so stark mit Mimik und Gestaltung brachte er dies rüber, und „Der Lindenbaum“ sang er sehr innig. Toll. Malena Böse hat „Füllest wieder Busch und Tal“ (ein sehr anspruchsvolles Lied), „Gretchen am Spinnrad“ mit guter Mimik, „Fischers Liebesglück“ sehr gut vorgetragen.

Ein großer Dank gilt Johanna Schliephake, die uns mit Texten viel Freude machte und uns Leben und Werk dieses großen Franz Schubert nahebrachte. Wir danken den Sängern, die ja keine Profis sind, für ihre beachtliche Leistung und natürlich auch ihrer Lehrerin Frau Beese und wünschen Ihnen allen noch weiterhin viel Freude und gutes Gelingen an dieser schönen Kunst.

Großer Applaus belohnte sie alle.

                                                                                             Hannelore Bader

 

7. April 2017: Luther und die Juden – Arbeitskreis Luther, 11. Abend

 

Das Thema „Luther und die Juden“ war kein erneutes Abspulen der inzwischen gängigen Antisemitismus-Vorwürfe gegen Luther, vielmehr empfahl der Referent den fast 40 Teilnehmern einen gänzlich anderen, nämlich einen historischen Zugang. Er wollte nicht mit einem theologischen Werturteil aus der Sicht des 21. Jahrhunderts beginnen und es dann dabei belassen, sondern führte die Grundregeln des historischen Urteils vor Augen. Die Faustformel für den Weg zum fundierten historischen Urteil beinhaltet einen Dreischritt:  Sachanalyse – Sachurteil – Werturteil. D.h. ein Werturteil kann erst gefällt werden, wenn eine genaue Sachanalyse und ein darauf basierendes Sachurteil erfolgt sind. Es muss sichergestellt werden, dass das Sachurteil vor dem Werturteil gefällt wird. Schaut man in die Medien, so stellt man fest, dass Kirche und Öffentlichkeit ein weithin unhistorisches Lutherbild pflegen. Tatsächlich verbreitet die Landeskirche das Bild eines Irrenden und lässt dem Lutherstandbild an der Marktkirche unter Assistenz des Landesbischofs die Augen verbinden. Es ist ein vorab gefälltes Werturteil.

Tatsächlich entzieht sich Luther unseren heutigen Maßstäben, denn er repräsentierte eine für uns fremde Welt und ein vorkopernikanisches Weltbild, weit entfernt vom Geist weltlicher Freiheit und Toleranz. Er kennt nur einen Fluchtpunkt seines Denkens und das ist Christus. Zielpunkt seines biblischen Weltbildes ist die Wiederkunft Christi zum Jüngsten Gericht. Luther ist überzeugt

, dass das Ende dieser Welt in greifbarer Nähe ist. Damit sind die aufrechten Christen vor eine Herausforderung gestellt. Sie müssen sich Christus und dem 

Evangelium würdig erweisen. Der Bibel zufolge erfolgt diese Herausforderung durch das Auftreten eines Versuchers in der Gestalt eines Gegenchristus, des „Antichrist“, einer Verkörperung des Satans, der sich auch in verschiedenen Gestalten verbergen kann. Luther wollte den Juden 1523 mit seiner Schrift, „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ eine Einladung entgegenbringen, sich zum Evangelium zu bekennen. Als sie diese Einladung nicht annahmen, veröffentlichte er 1543 eine zweite Schrift unter dem Titel „Von den Juden und ihren Lügen“. Das Fazit dieser Schrift war: Nunmehr habe sich gezeigt, dass die Juden von Christus nichts wissen wollten und deshalb sei es definitiv am Tage, dass auch sie zum Heer des Antichrist gehörten. Gegen den Antichrist aber als den großen Versucher der Endzeit und damit den Teufel seien alle Mittel gerechtfertigt.

An diesen Vortrag schloss sich eine phasenweise sehr lebendige Debatte an. 

Abb. Teil des Antichrist-Fenster aus der Marienkirche Frankfurt/Oder, 136

 

 

11. April 2017: Zeit für dich! Kinderbibeltag in St. Philippus

 

Der 1. Kinderbibelnachmittag in Philippus fand am 11. April statt. 18 Kinder unterschiedlichsten Alters haben teilgenommen, ein schöner Erfolg, denn viele waren wegen der Ferien verreist. Allen hat es viel Spaß gemacht.                   

 

An diesem Tag war noch nicht das im Aufbau befindliche Team „Kirche mit Kindern“ beteiligt. Zwei jugendliche Teamerinnen waren aber schon dabei.

 

 

 

16. April 2017: Ostereier-Suchen für Jung und Alt

 Der Verein zur Förderung des kirchlich-kulturellen Lebens in Isernhagen-Süd hatte auch in diesem Jahr zu einem Ostereier-Suchen einladen, das am Ostersonntag, dem 16. April 2017, unmittelbar im Anschluss an den Gottesdienst rund um das Gemeindehaus von St. Philippus stattfand. 

Neue Mitglieder und Spenden zugunsten des Vereins sind herzlich willkommen. Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 20,-- € pro Jahr. Nähere Informationen unter www.foerderverein-isernhagen-sued.de.

Dr. Martin Wienke

 

 

 

   

25. April 2017: Eine literarische Reise durch Niedersachsen – mit Dr. Heiko Postma, Teil III 

 

Am 25. April fand der 3. literarische Abend mit Dr. Heiko Postma statt. Der Autor und Literaturkritiker sprach über den jüdischen hannoverschen Schriftsteller K. J. Hirsch: „Der Außenseiter des Geistes” – Karl Jacob Hirsch (1892-1952) und das 20. Jahrhundert in Hannover". Hirsch ist vor allem bekannt geworden durch seinen Roman 

"Kaiserwetter".

 

Möglich wurde die ganze dreiteilige Veranstaltungsreihe durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Vereins zur Förderung des kirchlich-kulturellen Lebens in Isernhagen-Süd.

 

 

28. April 2017: Männerkreis Isernhagener Gespräche „Israel und Palästina“

 

Pastor Folker Thamm sprach über „Israel und Palästina – eine unendliche Geschichte“. Es war die seit Bestehen des Männerkreises mit an die 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am besten besuchte Veranstaltung des Gesprächskreises.

Der Referent stellte zu Beginn die Kriterien für die Beurteilung des Konflikts heraus. In Frage kämen das Völkerrecht, die Menschenrechte und die politische Vernunft. Vor allem aber sei eine solide Sachanalyse des historischen Zusammenhangs und ein ausgewogenes und plausibles Sachurteil von entscheidender Bedeutung für ein überzeugendes Werturteil. Ausgehend von dieser Grundlage beschrieb der Referent die historischen Ursachen für den nunmehr über ein halbes Jahrhundert andauernden Konflikt. Die Stationen verliefen ausgehend von der Antike über die zionistische Bewegung zur Rolle Palästinas im Osmanischen Reich. Auf die osmanische Herrschaft über Palästina folgte nach dem Ersten Weltkrieg die Einrichtung von Mandatsgebieten der Franzosen und Briten. Entscheidend für die heutige Situation aber waren die Katastrophen des Holocaust für die Juden und der „Nakba“ für die Palästinenser. Die „Nakba“ war die Vertreibung der Palästinenser ohne Rückkehrrecht infolge des Krieges zwischen Juden und Palästinensern 1948, der den UNO-Teilungsplan von 1947 korrigierte. Weitere Kriege folgten, denn die arabischen Nachbarn akzeptieren die Existenz Israels nicht: Der Suezkrieg 1956, der Sechstagekrieg 1967, der Jom-Kippur-Krieg 1973, der erste Libanonkrieg 1992, schließlich der 2. Libanonkrieg 2002. Dazwischen liegen zahlreiche kleinere militärische Schläge und Gegenschläge. Aber es gibt auch hoffnungsvolle Begegnungen zwischen jüdischen und palästinensischen Vertretern. Dennoch überwiegen die Auseinandersetzungen, die unter den Bezeichnungen Erste bis Dritte Intifada (Aufstand) zusammengefasst werden. Siedlungsbau und Mauerbau prägen die Gegenwart und haben nach und nach die sog. Zweistaatenlösung als obsolet erscheinen lassen, so der Referent.

Die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Vortrag zeigte keine Lösungsansätze, die als zukunftsfähig gelten konnten, jedenfalls dann nicht, wenn man von realen Verhältnissen ausgeht und Lösungen am grünen Tisch zu vermeiden sucht.

Abb.: H.v.Samson

 

1. Mai 2017: Ausstellung „Wechselnde Lutherbilder im Verlauf der Jahrhunderte“

 

Anlässlich des letzten Jahres der Lutherdekade ist unserem Gemeindehaus zu den üblichen Öffnungszeiten eine weitere Ausstellung zum Thema Reformation zu sehen. Sie verdeutlicht die wechselnden Lutherbilder, die sich Lauf der Jahrhunderte, vornehmlich in den Jahren der Reformationsjubiläen seit 1617, herausgebildet haben. Wir haben das Glück, dass die Ausstellung mit zahlreichen Kostbarkeiten bestückt werden konnte, die aus unserer Gemeinde für die sehenswerte Präsentation zur Verfügung gestellt wurden. Ein besonderer Dank geht an die beiden Ausstellungsmacher, Herrn Dr. Dallmeier und Herrn Dr. Stupperich, die die Ausstellung erarbeitet haben. Dabei ist die grafische Konzeption und Ausstellungstechnik das Werk von Herrn Dallmeier.

Zu sehen sind neben einigen zentralen Werken und Gemälden zur Reformation, die als Kopie eingefügt sind, u. a. alte Drucke von Katechismen und anderen reformatorischen Schriften, Jubiläumsmünzen und –geld, Ersttagsblätter Sonderpostwertzeichen zu Martin Luther oder zur Reformation sowie eine Zusammenstellung von Geschmacksverirrungen zum gegenwärtigen Lutherjubiläum.

Die Abb. zeigt die finnische Übersetzung des lutherischen Katechismus, die der finnische Gelehrte und Bischof Daniel Juslenius 1745 veröffentlicht hat.

 

 

12. Mai 2017: Luther und die Neuzeit - Luther heute – Arbeitskreis Luther, 12. Abend

Der 12. Lutherabend schloss vorläufig die 12-teilige Reihe der Lutherabende ab, die seit einem Jahr in St. Philippus stattfanden. Der Abend sollte sowohl ein Résumé als auch einen Gang durch die Lutherbilder der Neuzeit beinhalten. Der Einfachheit halber und weil auch in diesem Jahr wieder ein Reformationsjubiläum gefeiert wird, begann der Abend mit einem Blick auf die Reformationsjubiläen der letzten 400 Jahre. 1617 wurde zum ersten Mal ein Jubiläum bewusst gefeiert. Dabei wurde Luther als ein Werkzeug Gottes im Kampf gegen den päpstlichen Antichrist dargestellt. 1717 hat sich das Lutherbild noch kaum geändert. Luther ist der Engel der Offenbarung nach Off. 10 und der Papst der Drache der Apokalypse (Off.12,7-12). 1817 jedoch sieht alles anders aus. Es spricht der Geist der Aufklärung aus allen Jubiläumsäußerungen und Luther ist der Held der deutschen Nation, eine glänzende Projektionsfläche für den aufkommenden Nationalismus nach der Völkerschlacht bei Leipzig. 1917 während des Ersten Weltkriegs bewährt sich dieses Lutherbild als Mittel zum Durchhalten im Kampf gegen die westlichen Alliierten. Luther bleibt während der ersten Hälfte des 20. Jh. der Inbegriff des Deutschtums. 2017 aber scheint es unklar zu sein, ob Luther überhaupt gefeiert werden sollte. Es gibt zahlreiche einander widersprechende Meinungen, bei deren Klärung zumindest die Hannoversche Landeskirche keine Hilfe bietet.  

Der Abend befasste sich im zweiten Teil auf die Kernaussagen Luthers und auf das, was Gegenstand des 500jährigen Gedenkens 2017 sein sollte. Im Kern steht hier die Entdeckung des Evangeliums von der Gnade Gottes und das vierfache „allein“: allein durch den Glauben, allein durch Christus, allein durch die Gnade und allein durch die Schrift. Entscheidend aber ist die Proklamation der Freiheit eines Christenmenschen und eines neuen Kirchenbegriffs, die Loslösung von der unbedingten Heilsnotwendigkeit kirchlicher Vermittlung. Zudem bedeutet Luther zu feiern die Reformation als weltweite Bewegung zu feiern. Aber auch ihre Kulturbedeutung zu würdigen: den Ausgang der neuhochdeutschen Sprache von der Bibelübersetzung Luthers, aber auch anderer kulturbedeutsamer Entwicklungen, die Luther selbst jedoch subjektiv nicht intendiert hatte. Von großer Bedeutung ist auch der Anstoß zur katholischen Reform und damit zur Selbstfindung der katholischen Kirche, wie wir sie heute kennen, zu der es ohne die Reformation so bald nicht gekommen wäre.

 

 

21. Mai 2017: Konzert der Schülerinnen und Schüler der Herschelschule in St. Philippus

Es war zwar keine Gemeindeveranstaltung im engeren Sinne, aber die Gemeinde war zu diesem Konzert herzlich 

eingeladen.

Zu Anfang muss ich die Leistungen der jungen und älteren Schülerinnen und Schüler sehr anerkennen, denn was sie uns boten, war teilweise sehr gekonnt und oft schon profihaft. Ebenso empfand ich es schön, dass viele verschiedene Nationen mit von der Partie waren – großes Lob für alle! Dies gilt auch für die Pianistin Christina Maier, die alle Stücke gekonnt begleitete.

Zu Beginn spielten Victoria Nguyen und Sejla Rovcanin auf dem Klavier einen einschmeichelnden Walzer für vier Hände von Mátyás Seiber, sehr schön. David Badzinski sang aus dem Musical Jekyll & Hyde „Fern und verloren“. Die Traurigkeit des Liedes brachte er sehr gut rüber. Sehr anmutig sangen Alicja Kotzur und Leon Dalla Vecchia ein Liebeslied mit dem Titel „Nimm mich wie ich bin“ aus demselben Musical.

Mit Orgelbegleitung spielte Pia Marie Fukas auf ihrer Klarinette den 1. Satz aus der Sonate F-Dur von Jean-Xavier Lefèvre, sehr schön vorgetragen. Annika Todt und Christina Maier glänzten mit einem Duo für zwei Klarinetten (Rondo Op. 23, Nr. 5, von Johann Pleyel). Es folgte Marie Leinpinsel, die mit ihrer Querflöte wirklich profihaft Händels Sonate in G-Dur (HWV 363b) vortrug, einfühlsam begleitet von der Pianistin; es war ein Genuss zuzuhören.

Leon Dalla Vecchia sang wieder sehr eindrucksvoll das Lied „Dies ist die Stunde“ aus Jekyll & Hyde. Es folgte ein weiteres Lied („Nicht als Arbeit“) aus dem Musical, vorgetragen von vier Sängern mit sehr schönen Stimmen; für dieses Lied hätte ich mir eine bessere Aussprache und Mimik gewünscht. Anschließend blies Michael Czech auf seinem Euphonium sehr gekonnt den Ohrwurm „Georgia on my mind“ von Hoagy Carmichael, gefolgt von Nikita Kniller, der auf dem Tenorsaxophon einen Tango spielte, dem zwar noch ein wenig der berühmte Schwung fehlte, aber sehr sauber intoniert war. Ein verrücktes Stück hatte sich Ali Ünsaldi mit seiner Klarinette gewählt; es war der 1. Satz aus der Sonatina für Klavier und Klarinette von Alan Ridout; es gefiel mir sehr gut, so schwungvoll, einfach toll. Die sehr schöne Stimme von Nicol Karchova mit dem Lied „Jemand wie Du“ (Jekyll & Hyde) brachte den Songtext gut zur Geltung. Es folgte ein weiterer Song aus dem Musical; Alicja Kotzur und Lorina Ismail sangen „Das war mein Traum“ mit sehr schönen Stimmen; auch hier hätte ich mir besseres Sprechen und Mimik gewünscht. Aber man muss natürlich immer das Lampenfieber und das jugendliche Alter der Künstlerinnen und Künstler in Rechnung stellen.

Im letzten Teil des Konzerts spielte Michelle Mildner auf ihrer Querflöte sehr schön die Bourrée anglaise von J. S. Bach. Die Intonation und Registrierung von Matteusz Balsam an der Orgel gefiel mir sehr gut; kraftvoll spielte er den Introduction-Choral aus der Suite Gothique Op. 25 von Léon Boëllmann. Es folgte wieder ein Musical-Lied („Angst“ aus Jekyll & Hyde), das Leon Vecchia mit guter Stimme und Mimik zum Ausdruck brachte. Den Abschluss bildete ein lustiges Klarinetten-Stück zu zwei Klarinetten („Jumpin’ Clarinets“), das in die Beine ging, von Melisa Köse und Christina Maier toll gespielt, und der Popsong „On the sunny side oft the street“, das Michael Czech auf dem Euphonium intonierte.

Vielen Dank an alle für das sehr gelungene Konzert, das mit großem Applaus belohnt wurde.

 

                                                                        Hannelore Bader

 

 

25. Mai 2017: Christi Himmelfahrt, Regionaler Gottesdienst in St. Philippus mit anschließender Radtour

Am Himmelfahrtstag sind Eltern mit ihren Kindern und einige Fahrrad-geübte Gemeindemitglieder samt Pastorin nach dem Gottesdienst zu einer gemeinsamen Radtour aufgebrochen. Die Proviantkörbe waren gefüllt und aufgeladen, das Grillgut besorgt und los ging die Fahrt zur Eichenkreuzburg in der Wedemark (ca. 12 km). Dort gab es ein gemeinsames Picknick und Spiele. Der Wald forderte die Kinder zu weitläufigen Aktivitäten heraus und die Kinder lotsten die Erwachsenen von ihren Sitzplätzen, um beim Bäume Schleppen für die Überbrückung einer Furt zu helfen. Die Rückfahrt verlief wieder ohne Zwischenfälle, obgleich die vielen betrunkenen "Väter", die uns entgegenkamen, durchaus eine Herausforderung für die Fahrkünste der Kinder darstellten. 

 

 

 

 

 

 

 

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