2020

 

24. Januar 2020:  „Männerkreis Isernhagener Gespräche“ - „Geologische Forschung in der Arktis zu Wasser und zu Lande“

Prof. Dr. Christoph Gaedicke, Bothfeld, referierte über seine Reise mit der "Polarstern" in die Arktis und auch diesmal waren wieder um die sechzig Zuhörer gekommen, die den Ausführungen des Referenten gespannt folgten. Herr Gaedicke beschrieb mit Hilfe der Projektion zahlreicher Bilder über den Forschungsaufenthalt in der Arktis auf dem Forschungsschiff. Es entstand ein sehr gutes Bild von den Bedingungen an Bord, von den Ausrüstungen der Polarstern und den hochkomplizierten wissenschaftlichen Geräten. Aber auch die menschliche Seite des Zusammenlebens auf dem recht begrenzten Raum eines Schiffskörpers über mehrere Wochen wurde nachvollziehbar geschildert. Außerdem wurden die unterschiedlichen Gegenden der Arktis in all ihren Lebensbedingungen gut vorstellbar beschrieben. So erfuhren die Zuhörer etwas über das Leben in den Zeltstädten unter sehr wechselnden Temperaturbedingungen. Der Referent erklärte, ein Leben in der Wildnis zu Forschungszwecken sei nur dann sinnvoll, wenn der Schutz vor wilden Tieren von indigenen Hilfskräften übernommen werde. Zum besseren Verständnis stellte die Tierwelt ein eigenes Kapitel des Vortrags dar. Vor allem Eisbären und Wölfe spielten im Vortrag eine Rolle. Auch die Bodenschätze in der Arktis, die das große Interesse der Anrainer geweckt hatten, wurden thematisiert. Es sei, so meinte der Referent, ein verlässliches Verfahren der friedlichen Absprachen gefunden worden, bei dem die Interessengebiete durch gegenseitige Übereinkunft gesichert seien. Natürlich ging es auch um die Einflüsse des Klimawandels auf die Entwicklungen in der Arktis. Dazu lieferte der Referent verschiedene Zahlenreihen und Tabellen.

Nach der  Imbisspause wurden zahlreiche Fragen gestellt oder eigene Beiträge eingeschoben. Dabei fiel eine leichte Diskrepanz zwischen dem Interesse der Fragenden und dem des Referenten auf. Letzterer war deutlich an Aspekten der Grundlagenforschung orientiert, während die Fragenden noch mehr über die Auswirkungen des Klimawandels in der Arktis wissen wollten. Der Referent hielt dabei mit seiner eigenen Position nicht hinter dem Berg, vermerkte aber immer wieder, dass es sich um sehr eigene Positionen handele, die nicht einfach verallgemeinert werden könnten. Insgesamt war es ein hochinteressanter Abend, über dessen Thema man nicht so leicht etwas aus erster Hand erfährt. 

 

20. Februar 2020: Mitarbeitertreffen mit Günter Krause und Wilhelm Busch

Am 20. Februar trafen sich alle aktiven und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Leitungsgremien von Kreisen und Grup

pen zu einem geselligen Abend mit gutem Essen und Getränken an festlich gedeckten Tischen im Gemeindesaal. Fast alle, die zu dieser Gruppe zählten, waren erschienen, so dass es ungemein eng im Raum wurde. Für die Unterhaltung sorgte Günter Krause mit seinem Vortrag über Wilhelm Busch, den Autor der berühmten Bildergeschichte über „Max und Moritz“. Dabei erfuhren die

Zuhörer, dass Busch sich in der Figur des Moritz sich selbst dargestellt hatte. Als Junge war er für eine gewisse Zeit bei dem Pfarrer von Ebergötzen bei Göttingen untergebracht. Dort freundete er sich sogleich mit dem Sohn des Müllers an, und gemeinsam heckten sie so manche Streiche aus, was später in dem berühmten und inzwischen meistgelesenen Kinderbuch der Welt seinen Niederschlag fand. Seitdem gilt Wilhelm Busch als der Erfinder des Comics. Günter Krause wies die Zuhörenden aber auch auf ganz andere Seiten von Wilhelm Busch hin. Er stammte aus dem zwischen Loccum und Stadthagen gelegenen Wiedensahl und sollte mit den dürftigen Dorfschulkenntnissen an der Polytechnischen Hochschule in Hannover studieren, was nicht so recht gelingen wollte. Daher besann er sich auf seine künstlerischen Fähigkeiten und ging an die Kunstakademie in Düsseldorf. Von ihm stammen zahlreiche Gemälde. Keines von diesen hatte er selbst aufbewahrt, sondern sie waren allesamt von seinen Neffen gerettet worden, nachdem er schon zahlreiche Werke wegen angeblicher Unzulänglichkeiten vernichtet hatte. Persönlich, so erfuhr das Publikum, war Busch ein durchaus besonderer Mensch. Ohne Familie lebend pflegte er diverse Beziehungen zu Frauen und sprach manchen Genüssen zu, die er besser in Grenzen gehalten hätte. Auch war er „von dem Tobak ein Verehrer“ und nicht geneigt, sich irgendwelche Schranken aufzuerlegen.

Wilhelm-Busch-Alben gab es in jeder deutschen Familie. Auch die kaiserliche Familie war buschbegeistert, was sich in einer persönlichen Grußadresse des Kaisers zu Buschs 70. Geburtstag niederschlug.Es war ein interessanter Abend, zu dem alle Beteiligten durch mitgebrachte Speisen und den festlichen Tafelschmuck beitrugen. Dem Referenten gebührt Dank und Anerkennung für einen unterhaltsamen Vortrag.

 

 

23. Februar 2020: 13. Kinder- und Jugendkonzert in St. Philippus 

Es war die Altersklasse von 5 bis 15, die beim 13. Kinder- und Jugendkonzert in der St Philippus-Kirche vortrug. Die Kirche war sehr gut besetzt, was stets der Fall ist, wenn zahlreiche Eltern anwesend sind. Alle Kinder stellten sich selbst vor und nannten das Instrument auf dem sie vorspielen würden. Dankenswerter begleitete Dr. Michael Sodt die meisten Kinder auf dem Klavier. 

 

Es begann mit Greta und Louisa. Greta spielte auf der Gitarre „Sascha liebt nicht große Worte“ und Louisa zwei Tanzlieder auf der Blockflöte, begleitet von ihrer Lehrerin. Die 13jährige Sophie trug auf der Trompete Antonio Vivaldis „Winter“ vor mit einem sehr schönen Trompetenton unterstützt vom Klavier. Jonas (9 Jahre) ließ mit seinem Stück „Old McDonald had a farm“ sehr wohl durchblicken, dass einiges an Entfaltungsmöglichkeiten in ihm steckt. Kim zeigte sich mit ihren 8 Jahren recht geschickt auf der Klaviertastatur. Cecilia, 9 Jahre, bot mit ihrer Lehrerin auf zwei Gitarren das Stück „Auf der Mauer, auf der Lauer …“ aus der Gitarrenschule an, gefolgt von Anni (9 Jahre) mit ihrem Geigenstück „knusper, knusper, knäuschen“. 

 

In der Gruppe der 12- bis 14jährigen eröffneten Milla (Klavier) und Helena den Reigen mit Stücken von Mozart und Alan Walker. Dabei gelang Milla eine beeindruckende Klavierbegleitung. Danach wurden noch einmal zwei deutlich jüngere Spieler eingeschoben: Sehr selbstbewusst trug Vitold Menuette von Bach und Mozart auf dem Klavier vor, während sich Lennart Paganini Variation vorgenommen hatte. Alles wurde von beiden jungen Künstlern völlig auswendig vorgetragen. Aaron und Lea (12 und 14 Jahre) spielten Liebeslieder-Walzer von Brahms. Es folgten Jannis mit einem Sonatinensatz von Beethoven, bevor Caya und Carlina in der selteneren Kombination von Bratsche und Geige auftraten. Felicitas trat mit ihrer Geige und Klavierbegleitung auf. Ebenfalls als Geigen-Solist folgte Aaron mit „The Keys of Canterbury“ und einem Stück von Prokofieff. Danach hatte Sophie auf ihrem zweiten Instrument, dem Cello, eine Vorspielchance, die sie mit „Kontradans“ (Beethoven) hervorragend nutzte. Auch danach war sie mit Stücken für Cello und zwei Geigen bzw. Blockflöte aus der „Bauernkantate“ von Bach gemeinsam mit Mehry in einem recht gelungenen Zusammenspiel zu hören. Den Abschluss bildeten ein Klavierstück und ein Stück für zwei Streicher: Leon brachte den bekannten „Türkischen Marsch“ von Mozart zu Gehör, fast virtuos und mit erstaunlicher Souveränität; Lea spielte mit ihrer Geigen- und Klavierbegleitung sehr gelungen den ersten Satz des Konzerts in D-Moll von Antonio Vivaldi. 

 

Zum definitiven Schluss versammelten sich alle Musikerinnen und Musiker oberhalb der Treppenstufen im Altarraum und starteten den Versuch sich gemeinsam zu verbeugen, was einigen der Teilnehmenden schon recht gut gelang. Der Begeisterung des Auditoriums für die Aufführung war am anhaltenden Applaus abzulesen. Herzlich zu danken für die Leitung dieses Kinder- und Jugendkonzerts ist Frau Leinpinsel vom Vorstand des Verein zur Förderung kirchlich-kulturellen Lebens in Isernhagen-Süd, der auch für die Künstlerinnen und Künstler abschließend Eis spendierte. Leider konnte Frau Dr. Barckhausen, die seit langem die Jugendkonzerte leitet, krankheitshalber den Erfolg diesmal nicht live miterleben. 

 

 

 

28. Februar 2020: Männerkreis Isernhagener Gespräche  - Die Wiedervereinigung

 

Am 28. Februar referierte PD Dr. Alexander von Plato im Männerkreis Isernhagener Gespräche über das Thema „Die internationalen Bedingungen der Wiedervereinigung Deutschlands“. Das Thema hatte den Untertitel „Bush, Kohl, Gorbatschow und die geheimen Moskauer Protokolle“. Zur Vorgeschichte wies der Referent darauf hin, dass sich der Widerstand gegen die diktatorischen Verhältnisse in den Staaten Osteuropas lange angekündigt hatte. Zuerst geschah dies in Polen ausgehend von den Streiks auf der Lenin-Werft in Danzig und der Solidarność-Bewegung.

 

Alexander von Plato hob in seinem Vortrag vor allem die Rolle der internationalen Mächte, allen voran der USA, hervor und verwies auf die führende Rolle von Präsident George Bush sen. in der Frage der Wiedervereinigung. Die beiden anderen westlichen Regierungschefs, Margaret Thatcher und Francois Mitterand, vertraten die gegenteilige Position. Bush stellte allerdings eine entscheidende Bedingung: Das wiedervereinigte Deutschland müsse in der NATO verbleiben. Von Plato hob diesen Punkt als besonders wichtig hervor, denn einerseits war zunächst nicht klar, ob die Sowjetunion zustimmen würde und zum anderen zeigte sich an diesem Punkt, dass die USA die NATO als entscheidenden Anker ihrer Präsenz in Europa betrachteten. Die Angst in Osteuropa, insbesondere bei den Menschen in der DDR, vor einer Kehrtwende der Sowjetunion war groß. Daher flohen viele in die bunderepublikanischen Botschaften. Es folgten Demonstrationen für Demokratisierung in der DDR. Obwohl die DDR-Regierung letztlich gegen Gorbatschow war, gab es fast nur Pro-Gorbatschow-Plakate bei dessen Staatsbesuch 1989 auf den Straßen Berlins. Gorbatschow schloss als Generalsekretär der KPdSU mit Bush die Abrüstungsverträge ab und leitete damit das Ende des Kalten Krieges ein. So war letztlich das Ende der DDR programmiert. Wirtschaftlich stand die Sowjetunion mit dem Rücken zur Wand und benötigte dringend Kredite aus dem Westen. Daher rührte die Bereitschaft zu Zugeständnissen. Man dachte auf russischer Seite an die bundesrepublikanischen Banken als Kreditgeber. Für beide Seiten war klar, dass etwas getan werden müsse. Der Kohl-Vertraute Horst Teltschik und der Berater Gorbatschows Nikolai Portugalow konferierten im November 1989. Beide missdeuteten die gegenseitigen Positionen, was den Prozess hin zur Wiedervereinigung jedoch ungemein förderte. Teltschik erkannte, dass es in der sowjetischen Politik Kräfte gab, die eine Wende begünstigten, worüber er umgehend Bundekanzler Kohl informierte. Dieser formulierte ein 10-Punkte-Programm für den Weg zur Wiedervereinigung. Am Ende war es entscheidend, so von Plato, dass es gelang, die Zustimmung de Sowjetunion zum Verbleib des wiedervereinigten Deutschlands in der NATO zu erhalten, verborgen unter der Formulierung der freien Wahl der Bündniszugehörigkeit. 

 

Der Vortrag von Alexander von Plato war stark besucht, um nicht zu sagen bis auf den letzten Platz besetzt. Leider reichte die Zeit nicht ganz, so dass nach einer sehr lebhaften Frage- und Diskussionsrunde einige durchaus interessante Punkte noch offen blieben. Die Zuhörerschaft verließ den Gemeindesaal ganz offensichtlich hochzufrieden.

 

8. März 2020: Ausstellungen zum internationalen Weltfrauentag

 

Zwei Ausstellungseröffnungen schlossen sich im Rahmen eines Empfangs und Kirchencafes am 8. Mai an den Festgottesdienst mit der Landesuperintendentin i.R. Oda-Gebbine Holze-Stäblein an.

Die Künstlerinnen Sabine Quittnat (Malerin) und  Margot Matschke (Fotografin) zeigten ihre Arbeiten, darunter zahlreiche Frauenporträts unter dem Titel „Frauen bewegen“. Beide führten nach der Begrüßung durch Dr. Dallmeier in ihre Ausstellung ein.

Ohne ausführliche Vernissage, aber dennoch eröffnet, wurde die vom Greenteam angeregte Sprechblasenausstellung „Frauen gestalten“. Hier lag  die Initiative ganz bei den Frauen von St. Philippus. Sie hatten sich vorgenommen über ihre Wünsche und Träume zwar nicht laut, aber doch auffällig und gut sichtbar nachzudenken - ein Hingucker, der das Nähertreten lohnt. Da heißt es z. B. in einer Sprechblase: "Ich bin stolz darauf, Mitglied des Green-Teams zu sein, und dass wir für unsere Arbeit soviel Lob und Anerkennung bekommen!"

Da sowohl die Gemeinde wie auch die Künstlerinnen und das Greenteam ihre Klientel zum Kommen aufgerufen hatten, kam einer der bestbesuchten Gottesdienste des ganzen Jahres zustande. Aber auch im anschließenden geselligen Veranstaltungsteil war die Menschenansammlung kaum in den Räumen des Gemeindehauses von St. Philippus unterzubringen. Nur wenige unserer Ausstellungen haben so vielfältigen Zuspruch erfahren. 

Es sei noch darauf verwiesen, dass sich auch die Kindergartenkinder zum Weltfrauentag künstlerische Gedanken gemacht haben. Sie malten die "schönste Frau der Welt", nämlich ihre Mutter. Die Bilder hängen gerahmt im Kirchenvorraum "Offene Kirche".  

 

 

 12. April 2020: Die neue Osterkerze

Alle, die die kurze Zeit der Öffnung der Kirche am Ostersonntag zu Stillem Gebet genutzt haben, konnten sich nicht nur über den österlich geschmückten Altar, sondern auch über die neue Osterkerze 2020 freuen. Anders als üblich war in Corona-Zeiten kein festlicher Einzug mit der Kerze vorausgegangen.

 

 

28. August 2020: Wiedereröffnung der Männerkreistreffen - Die Pest im Mittelalter

 

Mit einem Vortrag über die große Pest von 1348/49, die erste weltweite Pandemie der Geschichte,  begannen die Treffen des Männerkreises nach der Coronapause – zum ersten Mal in der Kirche, die bei dieser Premiere bis auf wenige Plätze – natürlich coronamäßig bestuhlt - voll besetzt war. Am Anfang stand ein Gedenken an eines der treuen Mitglieder des Männerkreises, Friedrich Kahlstorf, der am 28. Juli verstorben war. 

Nach einer kurzen Einführung mit ausführlicher Begründung, warum nicht die Spanische Grippe von 1918 bis 1922 mit ihren 20 Millionen Todesopfern zum Thema gemacht worden war, begann der eigentliche Vortrag über die mittelalterliche Pandemie.  

Die Pest von 1348/49 war ungemein gefährlich für die Menschen des 14. Jahrhunderts, denn eine wissenschaftliche Medizin gab es nicht und die Menschen wussten sich in der Regel nicht wirklich zu helfen. Mindestens ein Drittel, wenn nicht (nach norwegischen Forschungen) sogar die Hälfte der Bevölkerung Europas bei einer Gesamtbevölkerung  von damals um die 80 Millionen Menschen kam durch die Pest ums Leben. 

Die Seuche stammte aus Innerasien und verbreitete sich zuerst in Südrussland und im Schwarzmeergebiet. Mit dem venezianischen und genuesischen Seehandel kamen die Erreger der Pest, z.T. auch über die Häfen der Levante (palästinische Küste, heutiger Libanon und Syrien), nach Marseille und in die europäischen Mittelmeerhäfen, um sich mit dem weiteren Schiffsverkehr auch zu den britischen Inseln und in das nördliche Europa zu verbreiten und mit dem Handel zu Lande in die rückwärtig liegenden Gebiete zu verbreiten. Die deutschen Territorien wurden um 1349 erreicht. Bremen und Hamburg waren als Seestädte besonders stark betroffen, aber als Beispiel wurde Münster besonders herausgestellt, dass im 14. Jahrhundert gleich zweimal heimgesucht wurde und beim zweiten Mal 1382 die Hälfte seiner Bevölkerung einbüßte. Dass die Totengräber von der Zahl der Toten völlig überfordert waren, wird an der landläufigen Erklärung des münsterischen Straßenamens „Grüne Gasse“ schlaglichtartig deutlich: Die Sterbenden wurden ins Pesthaus in dieser Straße gebracht. Das Pesthaus war so überfüllt, dass die  Angehörigen die Sterbenden in der Gasse unter freiem Himmel ablegten und das Weite suchten. Daher griff man zu einem Mittel der Verzweiflung. Man mauerte die Gasse an beiden Seiten zu. Als nach geraumer Zeit die Mauern wieder geöffnet wurden, war die ganze Gasse grün überwuchert. Daher der Name. Die Stadtbürger gelobten damals, jedes Jahr bis zum Jüngsten Gericht eine große Buß- und Bittprozession durchzuführen, wenn die Pest von Ihnen genommen würde. In diesem Jahr 2020 fällt sie zum ersten Mal coronabedingt aus. Ein Verstoß gegen das Gelübde? 

Der Umgang mit der Pest hatte natürlich auch erhebliche andere Schattenseiten. Neben Versuchen astrologische Erklärungen zu finden, fingen die Menschen in ihrer Verzweiflung an, die Juden zu beschuldigen, sie hätten die Brunnen vergiftet. In zahlreichen Städten kam es zu Verbrennungen von Juden. Auch wenn die Stadtobrigkeiten versuchten, die Juden zu schützen, war die sinnlose Wut eines Teils der Bevölkerung kaum zu bremsen. Die jüdische Bevölkerung der rheinischen Städte zog daher nach Osten und siedelte sich vor allem in Polen an. 

U.a. aus wichtigen literarischen Quellen der Zeit aus Italien (Boccacio und Petrarca) wissen wir von den verheerenden Verhältnissen in Florenz, wo vier Fünftel der Stadtbevölkerung starben. Daraus wurden Abschnitte zitiert, aber auch aus der Schrift Martin Luthers „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“. Hier heißt es: „Wenn mein Nächster mein bedarf, will ich weder Orte noch Personen meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen“. 

Den Schluss bildete ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer, das auf alle Seuchen, Krankheiten, aber auch auf Krieg und Zerstörung bezogen werden kann: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.“

 

6. September 2020: Sonntagskonzert „Bilder“ für zwei Flöten

 

Die inzwischen bekannten Flötistinnen Marie Leinpinsel und Eileen Skolik präsentierten am 6. September ein Flötenkonzert der besonderen Art in unserer Kirche. Unter dem Titel „Bilder“ hatten Sie ein außerordentlich abwechslungsreiches Programm aus unterschiedlichen Musikepochen zusammengestellt. Für die Liebhaber der Oper Carmen von George Bizet (1838 – 1875) war gleich das erste Stück, das Arrangement aus den Carmen Suites 1 und 2, eine Wiederbegegnung mit den bekannten Melodien dieses weltberühmten Werkes, eine gelungene Einstimmung in das, was noch folgte. Aus Mozarts  „Zauberflöte“ boten die beiden Künstlerinnen Flötenduette zur Arie des Papageno „Der Vogelfänger bin ich ja“ und zur Rachearie der Königin der Nacht „Der Hölle Rachen kocht in meinem Herzen“, gefolgt von „Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich“. Es waren Melodien, die jeder Musikbegeisterte immer wieder gern hört, von den „Two Flutes“ in beeindruckender Weise und sehr gelungen vorgetragen.

Wenn dies die Einführung war, dann folgte nunmehr der Hauptteil: eine Welturaufführung. Es war die erste Aufführung der Komposition von Marie Leinpinsel (geb. 2001) unter de

m Titel „Fantasieduette op. 7“. Dazu gab es ein Gedicht „Zauberwald“, das auf der Rückseite des Programmzettels abgedruckt war. Zu jeder Strophe des Gedichts formulierte das Programm einen Kurztitel, also zu Strophe 1 „Kobolde kichern“, oder zu Strophe 2 „Feen fliegen“. Zu allen Gedichtstrophen setzten die beiden Künstlerinnen das beschriebene Bild musikalisch in gelungener Weise um. Das Gedicht zügelte die Phantasie, bei den hochinteressanten Klangfarben der Komposition vergleichbare Bilder aus anderen Lebensbereichen hätte aufsteigen lassen. Manches fügte sich zu einem für viele Konzertbesucher als musikalische Darbietung kaum je erlebten Novum. An Bildern, die man sich, wie von der Komponistin selbst empfohlen, auf dem Heimweg im Kopf aufsteigen lassen sollte, fehlte es nicht. Auch in der Rückschau waren die „Fantasieduette“, der entscheidende Höhepunkt des Konzerts, bei dem Hexen, - ja was wohl – hexten und Zwerge zwinkerten und Riesen rumorten. Aus höchster Spannung, schließlich waren wir Zeugen einer Uraufführung, wechselten die beiden Aufführenden zu Guiseppe Verdi (1813-1901) mit der Fantasie über Themen aus „La Traviata“. Mit „Salomo“ von Händel (1685- 1759), einem Musikstück über die Ankunft der Königin von Saba, war man dann schon wieder bei gewohnten Klängen, bevor mit „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns (1835-1921) ein neuer Phantasieschub Platz griff, den sowohl die Musik als auch der Text von Loriot zu jeder der 14 Szenen in Bewegung setzte. Die Flötistinnen selbst stellten sich abwechselnd ans Pult und stimmten das Publikum mit Loriots Erzählung ein. Und so ging es los: „... und da tritt er in die Arena, mit der ganzen königlichen Verwandtschaft, seine Majestät, der Löwe ...“ und dann erklingt der „Marche Royale du Lion“. Es war einfach eine phantastische Idee, es so zu gestalten. Wie gut es ankam, zeigte die unmittelbare Reaktion des Publikums, das die Einstimmung mit hörbaren Äußerungen des Wohlbehagens quittierte. 

Überhaupt war das ganze Konzert eine phantastische Idee. Beide Künstlerinnen leisteten Großartiges und die Konzertbesucher spendeten begeisterten und anerkennenden Beifall.

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